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Bolivianisches Ensemble Teatro de los Andes gastiert in Bonn
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Vom 20. bis 23. Oktober 2026 zeigt das international renommierte Teatro de los Andes in Bonn drei Produktionen – Theater, Konzert und Workshop. Es ist bereits das fünfte Gastspiel des Ensembles in der Partnerstadt.
In den Textilien der Jalq'a-Frauen im bolivianischen Hochland steckt mehr als Handwerk: Muster, die Kosmologien erzählen – von Ahnen, Träumen und einer Welt unterhalb der sichtbaren. Genau diese Bildsprache hat das bolivianische Teatro de los Andes zu seiner neuesten Produktion inspiriert: „Pallay“, Quechua für „weben, auswählen, ernten“. Das Stück feiert am Dienstag, 20. Oktober 2026, um 20 Uhr auf der Bühne der Brotfabrik seine deutsche Erstaufführung. Ein Mann begibt sich darin auf die Suche nach seinen Wurzeln und begegnet einer Gestalt aus der Unterwelt – eine sinnliche, fragmentierte Erzählung über Herkunft, Erinnerung und Identität, erarbeitet unter der Regie von Gonzalo Callejas und verwoben aus Quechua-Texten, Musik, Körperarbeit und Multimedia-Effekten. Gespielt wird auf Spanisch mit deutschen Übertiteln, der Eintritt kostet 20 (ermäßigt 15) Euro, Tickets gibt es unter www.brotfabrik-theater.de/tickets.
„Unsere kreativen Prozesse sind in der Vorstellung verwurzelt, dass wir nicht einfach ‚Ich‘ sind, sondern ‚ñukanchiq‘ – ‚Wir‘ –, untrennbar verbunden mit der Welt, die uns umgibt.“
Gonzalo Callejas, künstlerischer Leiter des Teatro de los Andes, aus dem Konzepttext zu „Pallay“
Eines der wichtigsten Ensembles Lateinamerikas
Das Teatro de los Andes wurde im August 1991 im Dorf Yotala bei Sucre gegründet – von jungen Schauspielerinnen und Schauspielern aus Bolivien, Brasilien, Argentinien und Italien, die sich in einem intensiven, gemeinsamen Alltag körperlicher und stimmlicher Techniken übten: Akrobatik, indigene und fernöstliche Tanzformen, Improvisation, Kampfkunst. Aus dieser Arbeitsweise entstanden Inszenierungen, die dem bolivianischen Theater internationale Anerkennung einbrachten. In den vergangenen Jahren hat sich das Ensemble zunehmend der Erforschung indigener Ausdrucksformen, Sprachen und Rituale des bolivianischen Hochlands gewidmet. Heute prägen vor allem Gonzalo Callejas – ein Schauspieler mit Quechua-Wurzeln aus dem Norden von Potosí – sowie Alice Guimaraes und Lucas Achirico die künstlerische Arbeit der Kompanie, die rund 25 eigene Produktionen in mehr als 20 Ländern auf allen Kontinenten gezeigt hat. 2026 markiert zugleich das 35-jährige Bestehen des Ensembles.
Eine lange gemeinsame Geschichte mit Bonn
Mit Bonn verbindet das Teatro de los Andes eine besondere, von der Städtepartnerschaft Bonn–La Paz getragene Beziehung: Seit 2009 hat der Verein Bonn-La Paz e.V. bereits mehrere deutsche Erstaufführungen der Kompanie nach Bonn geholt, darunter „En un sol amarillo“, „La Odisea“, „Mar“ und zuletzt 2019 „Un buen morir“. Der diesjährige Besuch ist damit bereits das fünfte gemeinsame Projekt.
Konzert, Workshop und Film ergänzen das Programm
Neben „Pallay“ sind zwei weitere Begegnungen mit der andinen Kultur Boliviens zu erleben: Am Mittwoch, 21. Oktober, 19:30 Uhr, lädt das Konzert „Serenando“ im BASA-Museum der Universität Bonn (Abteilung Altamerikanistik und Ethnologie, Oxfordstraße 15) zu den autochthonen Klängen des nördlichen Potosí und der Yampara-Kultur ein. Das Programm folgt dem andinen Jahreszyklus – Karneval, Erntezeit, das rituelle Aufeinandertreffen Tinku, die Aussaat – und wird von den Musikern mit Erläuterungen zu Instrumenten und Ritualen begleitet. Der Eintritt ist frei, um eine vorherige Anmeldung unter gerafer@uni-bonn.de wird gebeten.
Am 22. und 23. Oktober öffnet das Theater Marabu seine Türen für den Workshop „Yawar K'ancha“ („Strahlendes Blut“): eine rituelle, körperliche und musikalische Praxis, die auf Theateranthropologie sowie andinen Ritualtraditionen wie dem Tinku beruht und die kollektive und körperliche Präsenz im Sinne andiner Philosophie aktiviert. Die Anmeldung erfolgt über das Bildungswerk Brotfabrik, es wird eine Teilnahmegebühr erhoben.
Vorab gibt es einen filmischen Auftakt: Bereits am 19. Oktober zeigt die Reihe Cinelatino Bonn um 20 Uhr im Kino in der Brotfabrik, in Anwesenheit des Regisseurs Jens Schanze, den Dokumentarfilm „Materia Prima“, der dem bolivianischen Lithiumabbau und den damit verbundenen indigenen Rechten nachspürt. Cinelatino Bonn wird vom Förderverein Filmkultur Bonn gemeinsam mit dem Verein Bonn-La Paz e.V. und der Bonner Kinemathek veranstaltet.
Der Besuch des Ensembles fällt zudem zeitlich mit dem Internationalen Kongress der Bolivianisten zusammen, den die Abteilung für Altamerikanistik und Ethnologie der Universität Bonn ab 19. ausrichtet. Am 22. Oktober nehmen Gonzalo Callejas und Alice Guimaraes dort an einer Podiumsdiskussion teil.
Veranstalter ist der Verein Bonn-La Paz e.V. in Kooperation mit Theater Marabu, der Bühne der Brotfabrik und der Universität Bonn. Gefördert wird das Gastspiel von der Stadt Bonn (Amt für Internationales und globale Nachhaltigkeit / Kulturamt), der Universität Bonn (TRA Present Pasts) sowie der Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse Bonn.
Weitere Informationen zum Programm der "Bolivienwoche" finden Sie im untenstehenden PDF-Dokument.
Pressekontakt
Christof Kersting
Verein Bonn-La Paz e.V.
christofkersting[at]hotmail.com
